Plug & Play

Alteryx - komplexe Analsyen für jedermann


Ein wenig erinnert die Software, die wir hier vorstellen, an einen Modellbaukasten, eine Art Stecklösung zur Bewältigung auch komplexester Aufgaben – simpel und effektiv, leicht zu ändern, fast spielerisch in der Anwendung. Und doch hat dieses »Designtool«, wie der Hersteller es bezeichnet, nichts von einem Spielzeug, es ist in der Welt der professionellen Analysen fest verankert und befähigt gewissermaßen zum Programmieren, ohne eine Zeile Quellcode schreiben zu müssen.

wolv/iStockphoto.com
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Und noch ein Vergleich, um das Grundprinzip der Software zu beschreiben: Sehen Sie das Steckfeld einer alten Telefonzentrale als Entsprechung der vielen Module, die Alteryx zur Verfügung stellt. Über das Verbinden von Modulen starten Sie den Kommunikationsprozess, und das Gespräch steht stellvertretend für die Festlegung der Ein- und Ausgangsparameter.

Auch wenn dieses Werkzeug nicht zwingend etwas mit Geodaten zu tun hat, so hat das kalifornische Unternehmen Alteryx die räumliche Komponente von Anfang an im Namen integriert hat: Der Firmenname ist abgeleitet aus dem Bestandteil einer SQL-Syntax (ALTER TABLE…) und den gebräuchlichen Koordinatenbezeichnungen X/Y. Nicht ohne Grund, wie wir später noch ausführen werden, und es verweist darauf, dass sich das Analysetool auch hervorragend mit Geodaten einsetzen lässt.

Alteryx Step by Step

Ein Einblick in die grundlegende Verfahrensweise von Alteryx lässt sich am einfachsten durch ein kleines Beispiel gewinnen (vgl. Sie auch die Grafik weiter unten). Nehmen Sie also an, Sie haben die Software gestartet und sitzen vor einer grafischen Oberfläche, dem Zentrum zum Aufbau einer Datenanalyse. Am oberen Rand sehen Sie eine Vielzahl von Modulen, den Bausteinen der Analyse. Den Prozess der Datenaufbereitung beginnen Sie, indem Sie ein Modul auf den »Arbeitsbereich« ziehen.

So ein Modul hat immer zwei Schnittstellen: einen Ein- und einen Ausgang. Nehmen wir als Beispiel die Aufbereitung von Adressdaten: Für den Eingang legen Sie fest, welche Daten Sie importieren möchten. Das kann eine Datei sein, über eine Datenbank oder auch über einen Webservice erfolgen. Das Modul selbst bietet eine Reihe von Parametern, mit denen Sie diese Daten filtern, manipulieren oder in anderer Form beeinflussen können. Das Ergebnis dieser Steuerung liegt dann am Ausgang an.

Nun ziehen Sie das nächste Modul per Drag & Drop auf den Arbeitsbereich, z. B. ein Geokodierungswerkzeug. Mit der Maus verbinden Sie den Ausgang des ersten mit dem Eingang des neuen Moduls. Wiederum legen Sie in den Eingangsparametern fest, welche Felder zur Geokodierung herangezogen werden sollen, und am Ausgang liegen die Adressdaten zusammen mit den Geokoordinaten vor. Der eigentliche Prozess der Verortung der Daten wird unmittelbar im gewählten Modul ausgeführt.

Das ist es, das Grundprinzip der Arbeitsweise mit Alteryx: Jedes der zahlreichen Module bietet eine bestimmte Funktionalität, die sich per Drag & Drop in einen Analyseprozess einbinden und konfigurieren lässt. Die Erstellung komplexer Analysen wird möglich, ohne auch nur eine Zeile Programmcode schreiben zu müssen.

Welche Module zur Verfügung stehen, würde hier zu weit führen. Von Bedeutung ist nur, dass ein Modul nicht nur eine einzelne Aufgabe lösen kann, es ist auch möglich, eine ganze Reihe von Prozessen in ein einzelnes Modul zu verpacken. Dazu gibt es einen Marktplatz für Lösungen, auf dem eine breite Community solche Makros oder Apps zum Download und zur Integration in Alteryx anbietet und zur Verfügung stellt.

Analytics-Designer

Der Begriff Designer beschreibt dann auch gleich, wie der Umgang mit diesem Werkzeug aussieht. In aller Regel sitzt ein Anwender vor einer Desktoplösung der Software und »baut« die eigentliche Analyse zusammen. Der Umgang mit dem Tool ist leicht zu erlernen. »Je nach Vorbildung ist es durchaus plausibel, nach zwei Stunden Einarbeitung mit der Software zu starten«, erläutert Tom Becker, General Manager Central & Eastern Europe der deutschen Niederlassung von Alteryx. »Unser offizielles Angebot fokussiert sich auf Self Service Trainings, da sich die grundsätzliche Arbeitsweise nahezu selbst erklärt.«

Die größte Herausforderung im Umgang mit dem Werkzeug besteht nicht im Einsatz der Werkzeuge, sondern vielmehr darin, die Fragestellung so zu formulieren, dass ein plausibles Ergebnis herauskommt. Und da beim Design der Abfrage immer nur mit kleinen Datensätzen gearbeitet werden sollte – immerhin werden alle Prozesse unmittelbar nach Hinzufügen eines Moduls ausgeführt und ermöglichen die unmittelbare Kontrolle der Ergebnisse –, bietet Alteryx schon beim Import der Basisdaten die Möglichkeit, aus allen Daten plausible Samples zu ermitteln, die die Ausprägung von bestimmten Variablen und Merkmalen auch repräsentativ darstellen.

Wenn das Design erfolgreich abgeschlossen ist, kann diese Analyse auf Server oder in die Cloud ausgelagert und mit der entsprechenden Rechenpower ausgeführt werden. Die Ergebnisse können in verschiedenen Formaten ausgespielt werden. »Am Anfang, als Alteryx vor allem in Europa noch nicht so bekannt war, haben viele Kunden die Software angeschafft, um mangelnde Datenaufbereitungen ihrer BI-Systeme zu umgehen«, ergänzt Tom Becker. »Die Ergebnisse wurden dann wiederum mit Tableau, Microsoft oder Qlik visualisiert.«

Die räumliche Komponente

Bei jeder Installation von Alteryx ist eine Auswahl von Basiskarten bereits integriert. Das ermöglicht z. B., Daten, die im Designprozess geokodiert wurden oder bereits mit Koordinaten geliefert wurden, direkt auch in ihrer räumlichen Lage anzuzeigen. Über entsprechende Module können andere Daten wie TomTom-Karten integriert werden.

Auch soziodemographische und andere Marktdaten können als Modul integriert und in die Analyseprozesse eingebunden werden. DDS beschäftigt sich als Partner von Alteryx vor allem damit, (Geo-)Daten zur Plug-&-Play-Integration in Alteryx auf­-
zubereiten und auf dem angesprochenen Marktplatz als Data-Kits anzubieten – mit dem großen Vorteil, dass diese Daten auch an Kundenwünsche angepasst werden können.

Beispiele aus der Praxis

Alteryx versteht sich nicht als BI-, sondern eher als Analyse-System – mit dem Mehrwert, auch im Vorhersage-Bereich aktiv sein zu können, nicht nur Ergebnisse, sondern auch Erkenntnisse zu liefern. Wie die folgenden Beispiele verdeutlichen.

RitaE/Pixabay.com
RitaE/Pixabay.com

Der Flughafen München – fast eine eigene Stadt. Der Ersatz von Excel-basierten Auswertungen durch Alteryx führte zu enormen Zeiteinsparungen.

Flughafen München

Der Flughafen München ist mit 35.000 Mitarbeitern, 36 Millionen Passagieren, 550 Unternehmen und zahlreichen Einrichtungen wie Restaurants, Geschäften bis hin zu einer Klinik fast eine eigene Stadt. Das strategische Team des Flughafens hatte alle diese Datenpunkte zu bewältigen und zu modellieren und nutzte dazu Excel mit mehr als 50 Tabellenkalkulationen. Ein mühsamer und anfälliger Prozess, der nur von zwei Personen zu nutzen war.

Mit der Integration von Alteryx konnte ein dynamisches, umfassendes Modell entwickelt werden, das sowohl kurz- als auch mittelfristige und langfristige Ziele berücksichtigt. Auch die räumliche Entwicklung oder die bauliche Erweiterung des Terminal 1
sind Bestandteile, die mit der Modellierung durch Alteryx angegangen werden. Und besonders komplexe Vorhersagestatistiken und Analyseparameter konnten von früher zwei Wochen auf nun zwei Tage reduziert werden.

024-657-834/Pixabay.com
024-657-834/Pixabay.com

Nur die wenigsten Mitarbeiter einer Bank dürften mit einer Bank zufrieden sein - Alteryx half, den Zusammenhang von Wohn- und Arbeitsstandort zu optimieren.

Caisse D’Epargne Hauts De France

Die französische Bank stand vor einem vielen Unternehmen vertrauten Problem: Wie lässt sich, basierend auf der Fahrzeit, am besten die Verteilung der Mitarbeiter steuern? Wenn also neue Mitarbeiter eingestellt werden oder in andere Zweigstellen umziehen, mit welchen Mechanismen ist eine Wahl des Standortes zu optimieren?

Die Anforderung war da, Umzüge von 350 Personen in einem halben Jahr keine Seltenheit. Vor Einsatz von Alteryx wurde mit Google Maps und Excel-Listen versucht, diese Aufgabe zu lösen, also Beziehungen zwischen Mitarbeitern und Standorten herzustellen. Ein zeitintensiver und fehlerbehafteter Prozess, der im Durchschnitt mit drei Stunden pro Person zu Buche schlug. Mit Alteryx konnte dieser Aufwand auf nur noch 10 Minuten reduziert werden – mit einem deutlich geringeren Fehlerrisiko bei der Standortwahl, zufriedeneren Mitarbeitern Dank weniger Fahrzeit und Kosteneinsparung beim Unternehmen.

In der Kombination einmalig

Schon der allererste Fall des jungen Unternehmens Alteryx, damals noch eine Beratungsagentur zur Optimierung von Standortfragen, beschäftigte sich mit der Eröffnung von Filialen, Kannibalisierungseffekten und Einzugsgebieten. Aus der Kombination von räumlichen und inhaltlichen Werkzeugen, die damals konzipiert und eingesetzt wurden, hat sich das heutige Programm entwickelt mit seiner Philosophie, ein möglichst einfaches Werkzeug zur Bewältigung komplexer Fragestellungen zu sein.

Und damit hat das Unternehmen durchaus ein echtes Alleinstellungsmerkmal: »Wir sind natürlich nicht die einzigen am Markt, die Geowerkzeuge anbieten«, schließt Tom Becker. »Aber die Gesamtheit dieser ohne Programmierkenntnis zu bedienenden Werkzeuge, die von der Datenquelle bis zur Ausgabe der Daten reichen, die Geoinformationen integrieren und ergänzt sind durch einen Marktplatz für die von unseren Kunden entwickelten Bausteine – da sind wir, denke ich, einmalig.«

 

DDS steht Ihnen als Partner von Alteryx für alle Fragen rund um diese Software zur Verfügung. Wir können Ihnen sowohl zielgenaue Datensätze als auch Funktionalitäten zur direkten Einbindung in den Analyseprozess bieten. Außerdem helfen wir Ihnen bei der Modellierung und beraten Sie, welche räumlichen Bezüge Ihrer Daten sie mit den Analysemöglichkeiten von Alteryx nutzen können.


Alteryx
Alteryx

Workflow einer Promotionkampagne

In der obigen Abbildung sehen Sie einen beispielhaften Workflow, der die grundsätzliche Funktionsweise von Alteryx beschreibt. Das Ziel: Welche Kunden reagieren, wenn eine teure Promotion-Kampagne für Möbel durchgeführt wird.

Input-Data

In diesem Bereich der Oberfläche werden drei externe Datenquellen integriert: Kundentransaktionen, Kundenliste und die Geschäftsadressen.

Data Preparation

Aus den Transaktionen werden diejenigen ermittelt, die die angegebenen Möbelkriterien erfüllen. Die Struktur der anderen beiden Daten wird für die folgenden Prozesse aufbereitet und angepasst.

Data Blending

Um herauszufinden, welche Kunden in welchen Geschäften einkaufen, wird das Join-Tool eingesetzt. Beachten Sie, dass für zwei Datensätze zuerst die Geopositionen ermittelt werden sowie die Fahrzeitentfernung zum nächsten Geschäft. Die Berechnung der Fahrzeit ist eine Funktion vieler Spatial Tools, z. B. »Entfernung«, »Nächste finden« oder »Handelszone« (was in diesem Beispiel zum Einsatz kommt). Diese Tools verwenden die räumlichen Informationen von TomTom, um die beiden Variablen »Entfernung« und »Geschwindigkeit« zu erhalten zur Berechnung der Fahrzeit.

Predictive Analytics

Mit Vorhersagemodellen werden die Ergebnisse qualifiziert. Auch wenn die Predictive Tools auf der Programmiersprache »R« basieren und der Quellcode kopiert und angepasst werden kann, so ist das nur eine Option – der Nutzer setzt priär die zahlreichen verfügbaren Analysen ohne Programmierkenntnisse ein.

Die hier gewählte logistische Regression kann auf viele Probleme angewendet werden – einschließlich der Abschätzung, wie wahrscheinlich ein Kunde Möbel kauft. Vorhersagemodelle können daher sehr hilfreich sein, wenn ein Unternehmen ein begrenztes Marketingbudget der profitabelsten Kundengruppe zuweisen möchten.

Um zu überprüfen, ob das erstellte Modell tatsächlich funktioniert, wird das Score Tool eingesetzt (das obere Symbol im Bereich Predictive Analytics). Damit kann die Genauigkeit vor der Ausgabe und Weitergabe der Daten an die Marketingabteilung bestimmt werden.