Sag mir, was ich esse

Die automatische Ermittlung von Allergenen & Co


Eine gesunde Ernährung rückt immer mehr in den Vordergrund, nicht zuletzt durch die stetig zunehmende Sensibilisierung des Menschen gegenüber den verschiedensten Inhaltsstoffen. Damit wächst auch die Bedeutung, die eine verlässliche Kennzeichnung von Lebensmitteln hat. Dass das bei einer Zahl von 300.000 Produkten im Lebensmittelbereich keine Selbstverständlichkeit ist, welche Wege das Karlsruher Unternehmen Better Life gefunden hat, um für eine rechtssichere Kennzeichnung von Lebensmitteln zu sorgen und welche neuen Möglichkeiten der gesunden Ernährung sich damit erschließen – darum soll es in diesem Artikel gehen.

westerper/Pixabay.com
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Was vertrage ich, wogegen bin ich allergisch? Die verlässliche Kennzeichnung der Inhaltsstoffe von Lebensmitteln hat sich Better Life zur Aufgabe gemacht.

Die Verordnung Nr. 1169/2011 der EU regelt, wie die Kennzeichnung von Lebensmitteln zu erfolgen hat. Dazu gehört auch die Ausweisung der Zutaten, Allergene und Zusatzstoffe. Das betrifft nicht nur die Produkte, die im Supermarkt im Regal stehen. Alle Unternehmen, die Lebensmittel verarbeiten und zum Verkauf anbieten, unterliegen dieser Verordnung, also auch Gastronomiebetriebe, Caterer, Schulen oder Online-Anbieter von Lieferservices.

»Der größte Online-Lieferservice zum Beispiel vereint auf seiner Webseite Tausende von großen und auch kleinen Anbietern«, erläutert Christian Riesenberger, Geschäftsführer von Better Life, »und ist verpflichtet, alle Angebote entsprechend der Verordnung auszuweisen.« Ein Unterfangen, das bei der Fülle der Angebote ohne Automatisierung nicht möglich wäre – denn nicht das einzelne Lokal ist in dem Fall verantwortlich (oder oft auch in der Lage), alle Inhaltsstoffe auszuweisen, sondern der Webseitenbetreiber. »Diese Anforderung war die Keimzelle für die Entwicklung einer Schnittstelle, die eine automatisierte Auslese dieser Informationen ermöglicht«, ergänzt Christian Riesenberger. »Und allein die Tatsache, dass dieser Lieferservice unsere API mit mehreren Tausend Anfragen pro Tag nutzt, verweist auf die Bedeutung und Wichtigkeit.«

andresr/iStockPhoto.com
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Sie wollen wissen, was Sie essen – deswegen ist die Ausweisung von Zutaten, Allergenen und Zusatzstoffen durch eine EU-Verordnung geregelt – das gilt auch für die Speisekarte.

Rezepte werden analysiert

Eine API, die den Namen »antiallergy« trägt, ist es also, die als Schnittstelle zur Kennzeichnung von Lebensmitteln dient: Der Kunde schickt seine Daten an antiallergy und erhält eine Liste mit Allergenen und weiteren Informationen zurück. Diese Produktdatenbank ist das Herzstück der erfassten Daten.

Lassen Sie uns am Beispiel eines Kochrezeptes illustrieren, was demnächst noch damit möglich ist: Ein Rezept mit allen Zutaten wird über die API in antiallergy eingelesen: 10 g Salz, 50 g Kartoffeln, 100 g Schweinefleisch, 100 g Brokkoli und ein Suppenwürfel. Die Zutaten werden mit den hinterlegten Produkten abgeglichen, Allergene oder kennzeichnungspflichtige Zusatzstoffe ermittelt und zusammen mit Nährwertinformationen zurückgegeben. Die Ergebnisse können im Speiseplan ergänzt werden – ob für online publizierte Rezepte oder für den Speiseplan einer Großküche. Die Vereinfachung ist enorm: Mussten früher die Bestandteile eines Rezepts manuell ermittelt, auf Portionen heruntergerechnet und hinsichtlich Nährwert und Allergenen bestimmt werden, so können diese Angaben in Zukunft automatisiert übernommen werden. Die Rezeptdatenbank mit mehr als 5.000 Rezepten wird ab April 2019 als Service zur Verfügung stehen.

Datentöpfe in der Cloud

Die Datentöpfe der Produktdatenbank zu füllen, die hinter der API stecken, war die Kernaufgabe der Entwicklung. Die unterschiedlichen Datenquellen (siehe Kasten) wurden gesammelt, konsolidiert, validiert und mit den Datenbanken der verschiedenen Hersteller und Anbieter zusammengeführt.

Über in die Amazon-Cloud ausgelagerte, redundant gehaltene Daten in zwei geographisch unterschiedlich platzierten Hostings gewährleistet Better Life eine hohe Verfügbarkeit. Die bereits genannten Zugriffszahlen nur eines Kunden belegen die Notwendigkeit einer hohen Ausfallsicherheit. Ergänzt wird der Service durch einen 24/7-Software-Support.

Gesunde Ernährung per App

Better Life versteht sich als Anbieter im B2B-Bereich. Das bedeutet, dass größere Unternehmen die API direkt einbinden oder Entwickler die API in ihre Produkte einbauen können, wie z. B. im Gastrobereich (Großküchen, Gastronomie, Catering), in der App-Entwicklung mit Zielrichtung »Gesunde Ernährung« oder Online-Anbieter im Food-Segment.

Im Gesundheitsbereich werden gerade neue Anwendungsfelder erschlossen. Better Life ist mit fachlicher Unterstützung dabei, die Rezeptdatenbank mit den acht organischen Volkskrankheiten abzugleichen mit dem Ziel, einen Empfehlungskatalog zu erarbeiten: Welche Lebensmittel darf ich z. B. bei Gastritis essen, auf welche sollte ich verzichten. Durch die Bewertung ist es möglich, Rezepte zu analysieren und die Eignung für Patienten zu ermitteln. So können im Krankenhaus individuelle Krankheitsbilder eingegeben und die dafür besonders geeigneten Rezepte ermittelt werden – eine sehr zielgerichtete Form der Ernährung wird damit möglich.

makeshyft-tom/Pixabay.com
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Ein Beispiel für die App, die z. B. Krankenkassen ihren Kunden zur Verfügung stellen könnten: persönliches Allergenprofil anlegen, Ware scannen und auf Verträglichkeit prüfen.

Verlässliche Kennziffern

»Eine vergleichbare Produkt- und Rezeptdatenbank mit diesem Nutzungszweck gibt es nicht in Deutschland«, schließt Christian Riesenberger. Deswegen ist Better Life derzeit dabei, die Datenbanken auch für das Ausland aufzubauen. Denn die meisten Quellen, die es sonst im Internet gibt, arbeiten mit »User Generated Con­tent« und sind dementsprechend fehleranfällig oder unvollständig.

Schließlich möchten wir alle, dass uns die kleinen, hochgestellten Kennziffern vollständig darüber informieren, was uns beim nächsten Bissen erwartet. Und sind gespannt, wann uns eine Krankenkasse diesen Service als eigenständige App anbieten wird – antiallergy ist dafür gerüstet.

Wir alle kennen unterschiedliche Arten der Kennzeichnung von Lebensmitteln. Und wir haben gelernt, dass sich dahinter die verschiedenen Inhaltsstoffe verbergen. Aber haben Sie sich schon mal Gedanken darüber gemacht, wie diese Informationen ermittelt werden?
Wir von DDS halten das für ein sehr spannendes Thema – und haben uns deshalb auch in den Vertrieb der in diesem Artikel beschriebenen API mit eingeschaltet. Sprechen Sie uns an, wenn Sie mehr darüber wissen möchten.

 

Datenquellen

Die Datenbanken, die hinter der API stecken, basieren auf unterschiedlichen Quellen:

  • Offizielle Lebensmitteldaten des Max Rubner-Instituts (MRI) für alle unverpackten Lebensmittel
  • Herstellerdatenbanken
  • Eigene Datenbanken für Allergene und Zusatzstoffe
  • Pfandinformation für Flaschen
  • GEPIR-Herstellerdatenbank
  • Optional Daten der Lebensmitteldatenbank von GS1
  • Optional eigene Kundendaten bei Vertrieb von Produkten, die keine eigene GTIN (Global Trade Item Number) tragen