Reich und gesund

Die Rolle soziodemographischer Daten


Destina/AdobeStock
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Geomarketing bietet eine ideale Grundlage für die Industrie, um durch offensive Konzepte Ernährungsgewohnheiten zu ändern und die Gesundheitslage auch sozial schwächerer Bevölkerungsschichten positiv zu beeinflussen. Wo bleibt die Initiative?

Dass es einen Zusammenhang zwischen sozialer Ungleichheit und Gesundheit gibt, haben wissenschaftliche Untersuchungen längst belegt. Das gilt auch für Deutschland: Menschen aus sozioökonomisch besser gestellten Gesellschaftsschichten sind gesünder und haben eine längere Lebenserwartung als Menschen mit geringerem Einkommen oder geringerer Bildung.

Das betrifft nicht nur die physische, sondern auch die psychische Konstitution der betroffenen Bevölkerungsschicht. Dass es gilt, diese Ungleichheit zu bekämpfen, ist nicht nur eine gesundheitspolitische, sondern auch eine ethische Frage. Die umfangreichen soziodemographischen Daten, die heutzutage sehr feinräumig verfügbar sind, würden eine gute Basis für grundlegende Analysen und Konzepte bilden.

Die Frage ist: Wer wird aktiv, wer nutzt diese Daten, wer hat ein Interesse daran, die Ursachen zu analysieren und gegenzusteuern? Wäre es nicht wünschenswert, wenn sich die Lebensmittelindustrie zum Vorreiter aufschwingt und gezielt Maßnahmen ergreift? Wie einfach wäre es heutzutage, das Marketing zielgenau auszusteuern, Produkte zu platzieren, die aktiv Ernährungsgewohnheiten ändern könnten. Warum wird ein, nennen wir es ruhig ethischer Aspekt nicht als Marktvorteil eingesetzt, als (zumindest anfänglicher) USP?

Geomarketing bietet alles, um damit zu starten, Marktstudien zu erstellen, in ausgewählten Gebieten Erfahrungen zu sammeln. Es wäre wirklich wünschenswert, wenn die Industrie nicht auf die Politik wartet, sondern aktiv vorangeht.