Die medizinische Versorgung als Standortfaktor

Fallbeispiel Netzwerkanalyse


Die medizinische Versorgungsfrage spielt auch für Standortentscheidungen des Menschen eine Rolle: Wie ist die ärztliche Versorgung meines Wohnortes? Habe ich ein ausreichendes Angebot in der Nähe, oder muss ich weite Wege in Kauf nehmen?

RobVegas & ElisaRiva/Pixabay.com
RobVegas & ElisaRiva/Pixabay.com

Eine Netzwerkanalyse ergibt ein anderes Bild der medizinischen Versorgungslage als ein flächenbezogener Wert.

Artistan/iStockPhoto.com
Artistan/iStockPhoto.com

Vor allem in ländlichen Bereichen muss die Bevölkerung oft Fahrzeiten von einer Stunde und mehr in Kauf nehmen, um zu einem Arzt zu gelangen.

Zur Beantwortung dieser Frage bieten sich Netzwerkanalysen als probates Mittel an, wie eine im Georg Thieme Verlag erschienene Studie aufzeigt (Gesundheitswesen 2019). Mit dem Ziel, eine homogene, flächendeckende und wohnortnahe medizinische Versorgung der Bevölkerung sicher­-zustellen, wurde am Beispiel der dermatologischen Versorgung der Metropolregion Hamburg die Methodik der Netzwerkanalyse eingesetzt.

Der Versorgungsgrad einer Region gibt noch keinen Aufschluss darüber, wie die tatsächliche Erreichbarkeit aussieht. Und das Ergebnis der Studie stützt diese Aussage: Die Versorgungssituation in der Region ist insgesamt durchaus als gut zu bezeichnen, aber die Erreichbarkeit zeigte vor allem in ländlichen Regionen große Schwächen. Bei Nutzung des ÖPNV hatten mehr als 60 % der Bevölkerung Fahrzeiten von einer Stunde und mehr in Kauf zu nehmen.

Für eine Standortentscheidung zugunsten eines Wohnortes spielen also sowohl das Alter als auch die Verfügbarkeit des Verkehrsmittels im Gesundheitsbereich eine große Rolle. Und im Umkehrschluss, so die Autoren, lässt sich daraus auch die Notwendigkeit moderner Versorgungsansätze wie z. B. der Telemedizin ableiten.